Freizeit

Geheimnisvolle Orte in Bonn

Manchmal ziemlich schaurig, aber dennoch irgendwie reizvoll: Vergessene Orte – sogenannte Lost Places – konservieren den Charme vergangener Zeiten. Auch in Bonn und der Region finden sich zahlreiche Beispiele.


Lost Places

Wo einst rauschende Feste gefeiert, unzählige Patienten geheilt oder sündhaft teure Möbel gefertigt wurden, machen sich heute Staub, Spinnweben und Schimmelpilze breit. Lost Places sind Orte, die vom Eigentümer scheinbar vergessen und einfach sich selbst überlassen wurden: Häuser, Villen, Kliniken, Hotels, Schulen, Heilanstalten, Fabriken, Bunker, Stollen – um nur einige Beispiele zu nennen. Manche sind für die Öffentlichkeit frei zugängig, andere ziemlich versteckt oder gar gewissenhaft abgeschottet. Wissbegierige Urban Explorer haben es sich zur Aufgabe gemacht, die geheimnisvollen Orte zu erkunden und in gruselig schönen Bildern festzuhalten. Nicht selten zeugen ihre Aufnahmen von bewegten Geschichten, manche traurig, andere fröhlich oder gar romantisch. Gelegentlich ist selbst die ursprüngliche Einrichtung noch vollständig erhalten, wenn auch ziemlich in die Jahre gekommen.

Da sich die Eigentümer nicht kümmern mögen oder nicht kümmern können, bleibt die Zukunft der Bauwerke häufig ungewiss. Manchmal weiß schlichtweg niemand, wer überhaupt zuständig ist. Bebauungspläne, Restaurationen oder ein kompletter Abriss lassen sich daher nicht ohne weiteres veranlassen.

Die ehemalige Botschaft Nepals

Als frühere Bundeshauptstadt finden sich in Bonn zahlreiche leerstehende Botschaften, die nach dem Regierungsumzug einfach sich selbst überlassen wurden und nun dem Zerfall ausgesetzt sind. Ein Beispiel ist die damalige Botschaft Nepals, die von 1958 bis 2000 genutzt wurde. Nach derzeitigem Stand ist das Gebäude für den ewigen Leerstand bestimmt. Vom Krieg zerrüttet, befindet sich Nepal seit dem Ende des Bürgerkriegs in einer sogenannten Übergangspolitik. Mehrere Versuche verschiedener Makler das Objekt zu veräußern, scheiterten daran, dass sich kein zuständiger Ansprechpartner fand.

Das Pleistalwerk in Sankt Augustin

1841 gegründet, produzierte die alte Ziegelei jahrzehntelang feuerfeste Steine, Ziegel und Tonröhren. Da keine kostengünstige Modernisierung möglich war, stellten die Verantwortlichen 1971 den Betrieb ein. Außerdem war das Tonvorkommen in der Region weitestgehend erschöpft und Rohre wurden zunehmend aus PVC gefertigt. Seit 2008 ist das Betreten des Geländes, insbesondere des Fabrikgebäudes, wegen akuter Einsturzgefahr verboten. Da mögliche Investoren in der Vergangenheit wiederholt pleitegingen, wird die Fabrik wohl auch weiterhin in ihrem Dornröschenschlaf verharren.

Das Hotel Zur Waldburg

Der herrliche Blick ins Rheintal und in den Westerwald lockte damals unzählige Touristen auf den Victoriaberg in Remagen. Davon profitierte auch das Hotel Zur Waldburg, das in den 1950er Jahren seine besten Zeiten erlebte. Dann ließ das Interesse an der Rheinromantik nach. 1970 mussten die Inhaber den Betrieb einstellen. Viele Pläne, unter anderem das Hotel zu einem Seniorenheim auszubauen, scheiterten an der Baugenehmigung. Nach 13 Jahren Auseinandersetzungen mit den Behörden gaben die Eigentümer auf. Seitdem verfällt das einst prächtige Gebäude. 1994 kam neue Hoffnung auf: Das Gelände wurde verkauft, der Bau einer Klinik geplant. Doch auch daraus wurde nichts. Längst hat der Wald Besitz ergriffen, an einigen Stellen ist das Gebäude komplett eingefallen. Auch Vandalismus ist ein Problem: Graffiti an den Wänden, Müll in fast jeder Ecke. An einen Wiederaufbau ist lange nicht mehr zu denken. Letztendlich bliebe nur noch ein Abriss.

Artikel von www.top-magazin.de/bonn