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1&1-Chef Dommermuth geht auf Angebot der Telekom ein – unter Vorbehalt


Die Forderung von United Internet, beim Kauf von 5G-Frequenzen müssten die Betreiber ihre Netze für die Konkurrenz zugänglich machen, beantwortete Telekom-CEO Timotheus Höttges im August während eines Interviews mit der Funke-Mediengruppe mit vielen Vorwürfen und einem Angebot an den Konkurrenten. 1&1 habe bisher “nicht einen Funkmast aufgestellt” und wenn der Mobilfunkanbieter das Netz zukünftig mitbenutzen möchte, solle der Konzern sich auch an den Kosten für die Infrastruktur beteiligen, forderte der Telekom-Chef. Konkret schlug Höttges 1&1 den gemeinsamen Anschluss von je 2,5 Mio. Haushalten im Raum Berlin/Potsdam und im Ruhrgebiet und 350.000 in Thüringen ans Glasfasernetz vor.

 

 

1&1 CEO erklärt sich zur Zusammenarbeit bereit

United Internet-Gründer Dommermuth nahm das provokative Angebot prompt an, allerdings nicht zu den von Höttges vorgeschlagenen Bedingungen. Tatsächlich setzt 1&1 seit einiger Zeit auf die Zusammenarbeit mit Kommunen und anderen Marktteilnehmern auf kooperativen Ausbau und zusammen mit der Konzerntochter Versatel schon 45.000 Kilometer Glasfaser verlegt. Statt den von Höttges vorgeschlagenen 50 Prozent Kostenbeteiligung schlägt Dommermuth vor, den Anteil am Marktanteil zu orientieren. Ein “75:25 Joint Venture”, schlägt Dommermuth stattdessen vor. Die Telekom reagierte zuversichtlich auf die Zusage Dommersmuths, merkte aber an, dass sie keinen Anteil von 75 Prozent am Breitbandmarkt halte und dieses Verhältnis noch einmal verhandelt werden müsse. “Wir müssen das Auslastungsrisiko gemeinsam, fair und ausgewogen tragen”, erklärte das Unternehmen in einer Stellungnahme. Dommersmuth fordert außerdem die Einsetzung einer dritten Partei, die als Schiedsrichter fungiert und im Streitfall eine Entscheidung trifft. In dieser Rolle sieht er die Bundesnetzagentur: “(…) sie hat die größte Kompetenz”, so Dommersmuth.

Streit um Marktstruktur

Angesichts der 2019 anstehenden Einführung des neuen Mobilfunkstandards 5G sorgen sich die beiden Konzerne gleichermaßen um ihre Marktmacht. Höttges fordert, für die Frequenzauktion, die im nächsten Jahr stattfinden wird, dass jeder Teilnehmer sein eigenes Netz ausbaut. Sich nicht am Ausbau zu beteiligen und im Anschluss zu niedrigen Preisen in ein Netz einmieten zu wollen, hält der Telekom-Chef für unfairen Wettbewerb. Außerdem verringere eine solche Möglichkeit, die Motivation der Unternehmen selbst in den Ausbau des Glasfasernetzes zu investieren. 1&1 hingegen argumentiert, die Preise für National Roaming sollten in Zukunft nicht durch staatlich regulierte Preise niedrig gehalten werden, sondern durch kommerzielle Vereinbarungen der Marktteilnehmer. Über diese Preise definiere sich der Wettbewerb, daher sei eine staatliche Regulierung hier sowieso ausgeschlossen und die Angst der Telekom unbegründet. Sollte sich Dommersmuth durchsetzen und die Bundesnetzagentur als Schiedsrichter eingesetzt werden, könnte 1&1 wahrscheinlich auch in 5G-Zeiten noch Flatrates zu niedrigen Preise anbieten. Wie die Lizenzvergabe sich letztendlich gestaltet und ob die Zusammenarbeit von 1&1 und der Telekom tatsächlich zustande kommt, ist jedoch weiterhin offen.

 

 

 


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